Abfahrt in Nordendorf
Campingplatz Lüneburg
Auf in den Norden!

Endlich unterwegs!

Familie und Freunde stehen gebannt am Straßenrand. Wir starten den Motor, dunkler Rauch steigt auf und ein Raunen geht durch die Menge. Vereinzelt fließen Tränen, Taschentücher werden gezückt und die Massen jubeln, als wir den Gang einlegen und sich unser Gefährt stampfend in Bewegung setzt… Adieu, Farewell, in 80 Tagen um die Welt…

So oder so ähnlich war das wohl noch vor 100 Jahren, wenn einer auf Weltreise ging. Bei uns lief das glücklicherweise etwas entspannter, dafür umso schöner.

Der erste wirklich emotionale Abschied war meine letzte Ausfahrt von unserem Dauerstellplatz bei Rico in Alteglofsheim, am Freitag. Dort war unser Oskar seit Februar 2018 geparkt und seit Juli 2018 war ich dort fast jeden Tag, um am Innenausbau zu arbeiten. Und ohne Rico, seine Werkstatt und seine Hilfe bei Diesem und Jenem und Sonstigem wären wir jetzt definitiv noch nicht unterwegs! Dazu noch Rini, Zora und Ricos Eltern – irgendwie gehörten wir fast schon zur Familie… Und jetzt sollte ich hier einfach vom Hof fahren und das war’s? Ganz komisches Gefühl – ganz ehrlich!

Weiter ging es mit Abschied nehmen am Freitag Abend am Dultplatz, wo sich reihum nochmal alle unsere engen Freunde einfanden, um mit uns unseren letzten Abend in Regensburg zu verbringen. Wir haben uns wirklich sehr über die vielen Besucher und den schönen Abend mit Euch gefreut.

Samstag Morgen dann auf nach Landshut, bei Anjas Familie verabschieden und weiter nach Meitingen und Nordendorf, Grillen mit meiner Familie. Der Abschied fällt allen schwer, aber so muss das wohl sein…

Und dann ist es endlich soweit: wir machen uns auf den Weg nach Norden, zwei geplante Stopps bei Freunden und die Schneeketten bei Torben in Kiebitzreihe abholen, aber zum ersten Mal fühlt es sich so richtig nach Aufbruch und Abreise an. Nach drei Jahren Planung, Vorbereitung und jeder Menge Arbeit sind wir  tatsächlich unterwegs, haben alles hinter uns gelassen, uns von allen Verpflichtungen frei gemacht und freuen uns einfach nur auf all die Erlebnisse, die noch auf uns warten. Dass da auch ganz schöner Mist dabei sein kann, erfahren wir nur kurze Zeit später…

Aber zunächst genießen wir die Fahrt. Harburg, Nördlingen, an Würzburg und Bad Kissingen vorbei bis hinter Fulda, nach Hünfeld, unserem ersten Halt.

Nach einem entspannten Tag in Hünfeld geht es am nächsten Tag weiter nach Detmold, wo wir eine private, kleine Stadtführung bekommen, bevor wir lecker bekocht werden und einen fröhlichen Abend mit unseren Freunden verbringen.

Nächster Halt Wolfenbüttel. Auch hier werden wir herzlichst empfangen und verbringen einen wunderbaren Abend bei pakistanischem Essen und angeregten Gesprächen.

Von Wolfenbüttel aus müssen wir nun noch nach Kiebitzreihe, um dort die Schneeketten für unseren Oskar abzuholen, die ich über das Internet erstanden habe. Nachdem uns die gut 260 km aber für einen Tag zu weit sind und wir auch nochmal waschen müssen, legen wir einen Tag Zwischenstopp in Lüneburg auf dem Campingplatz ein. Der schön gelegen Platz befindet sich etwas außerhalb und so kommen zum ersten Mal unsere Räder zum Einsatz, um Lüneburg zu erkunden.

Inzwischen ist die erste Woche unserer Reise vorbei und es wird Zeit, Deutschland hinter uns zu lassen… noch schnell bei Torben in Kiebitzreihe vorbei fahren, die Schneeketten abholen und dann ab nach Dänemark… so der Plan. Einen dicken Strich durch diese Rechnung macht uns ein kleines, gelb-schwarz gestreiftes Insekt, das nichts besseres zu tun hat, als mich kurz vor Elmshorn in den Nacken zu stechen. Zunächst ärgere ich mich nur über den schmerzhaften Stich, aber schon nach wenigen Minuten merke ich, dass da etwas nicht stimmt. Meine Haut beginnt am ganzen Körper zu jucken und zu brennen und ich versuche nur noch, den LKW sicher auf irgendeinem Parkplatz abzustellen.

Die nächsten Minuten auf dem Netto-Parkplatz erlebe ich wie im Fieber, aber Anja findet glücklicherweise ein freundliches Ehepaar, das uns anbietet, uns zum Krankenhaus zu fahren. Mein Kreislauf geht inzwischen deutlich in den Keller und während der rasanten Fahrt habe ich immer wieder das Gefühl, ohnmächtig zu werden. Vielen Dank hier nochmal an unsere unbekannten Helfer! Beim Krankenhaus angekommen führt mich Anja zur Notaufnahme, wo ich sofort in ein Behandlungszimmer verlegt und intravenös mit Medikamenten versorgt werde.

Nach einiger Zeit – wie lange kann ich nicht sagen – beginnen die Medikamente zu wirken, mein Kreislauf beruhigt sich und auch der Juckreiz wird weniger. Bei der anschließenden Besprechung am Krankenbett klärt uns der Arzt über den Ernst der Lage auf… anaphylaktischer Schock mit allem was dazu gehört. Ohne rechtzeitige Versorgung hätte die Sache wohl auch anders ausgehen können. Deshalb muss ich sicherheitshalber auch über Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben.

Während ich auf die Station gebracht werde, macht sich Anja erst mal auf die Suche nach unserem Oskar, denn den genauen Standort haben wir uns in der ganzen Hektik natürlich nicht gemerkt. Glücklicherweise findet sie ihn recht schnell ganz in der Nähe, die Fahrt zum Krankenhaus hat ja auch nur wenige Minuten gedauert. Mit ein paar Sachen für die Nacht kommt Anja zurück ins Krankenhaus, wo ich mich inzwischen weitestgehend erholt habe, selbst die roten Pusteln sind schon deutlich am Abklingen. Trotzdem muss ich für die Nacht hierbleiben, was auch bedeutet, dass wir für das erste Mal seit Wochen für eine Nacht getrennt sein werden: ich im Krankenhaus und Anja allein im Oskar mitten auf einem Netto-Parkplatz in Elmshorn. Oh je!

Aber die Nacht geht vorbei und am nächsten Morgen warten wir ungeduldig auf die Entlassung durch den Stationsarzt. Am späten Vormittag ist es endlich soweit und wir können weiter, die letzten paar Kilometer bis nach Kiebitzreihe, um die Schneeketten abzuholen. Da ich aber trotz allem noch etwas k.o. bin, beschließen wir, heute nur noch bis Itzehoe zu fahren und uns dort nochmal für die Weiterreise zu organisieren. Wir brauchen auf jeden Fall ein Notfallset, falls mich doch mal wieder eines der Mistviecher stechen sollte – vielen Dank hier auch an unsere Hausarztpraxis Hinrichs & Angermeier in Sinzing, die uns mit den nötigen Rezepten per Fax versorgt haben – und der Stauraum in der Heckgarage muss ebenfalls nochmal neu eingeräumt werden. Der Stellplatz in Itzehoe ist dafür perfekt, eine große Wiese an einem kleinen See und das Wetter passt auch. Also alles raus und nochmal kritisch beäugt. Brauchen wir das wirklich alles?

Aber nach ein paar Stunden ist auch die Räumerei erledigt und wir genießen den Abend in Itzehoe am See. Und morgen geht’s endlich auf nach Dänemark!

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Hallo ihr zwei beiden, hoffen es geht euch und ockar gut und ihr habt alle die ersten startschwierigkeiten gut weg gesteckt. Nun freut euch auf das was vor euch liegt, wunschen euch gute reise, liebe grüße aus Norwegen grenze jakobself, nordöstlichste punkt unserer reise Annelie und Peter

  2. Hallo ihr zwei,
    da wohnt ihr wochenlang neben einer Rettungswache und kaum seid ihr weg passiert’s. Ich hab noch gesagt, unsere Nummer wäre die 112, falls was wäre.
    Ab jetzt viel Glück!
    Thorsten

    1. Hallo Thorsten, ohja, ich habe einen gehörigen Schreck bekommen. 112 war nicht mehr notwendig, da das sehr nette Paar uns gleich ins Krankenhaus gefahren hat. Kannst du mir deine Handynummer per Mail schicken, falls meinem lieben Mann nochmal so ein Blödsinn einfällt…. 🙂 Viele Grüße!

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