Eineinhalb Jahre unterwegs

Nachdem wir uns schon länger nicht mehr gemeldet haben, wollen wir das Ende dieses seltsamen Jahres 2020 zum Anlass nehmen, ein bisschen Rückschau zu betreiben:

18 Monate
20 Länder
37.000 gefahrene Kilometer
8.500 Liter Diesel
Keine Reifenpanne 🙂

So die nüchternen Zahlen unserer ersten eineinhalb Jahre auf Reisen. Genau heute vor 18 Monaten, am 13. Juli 2019, sind wir in Regensburg gestartet und waren „Endlich unterwegs!“ . Innerhalb des ersten halben Jahres waren wir am nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes und hätten es von dort beinahe bis an die Südspitze Griechenlands geschafft.

Dann kamen vier kleine Hunde in unser Leben und kurz darauf begann sich ein Virus auszubreiten, das nicht nur unsere Zukunftspläne fürs Erste zunichtemachte. Trotz Corona und all den damit verbundenen Einschränkungen wissen wir aber, dass die Entscheidung für die Reise genau richtig war und dass wir auch nach eineinhalb Jahren das Leben im LKW noch spannend finden.

Nachdem wir also die ersten sechs Wochen Lockdown in Griechenland im März und April gut hinter uns gebracht hatten und Anfang Mai wieder in Deutschland waren, wurde schnell klar, dass wir unsere Reise nicht wie geplant fortsetzen können werden. Viele Grenzen waren ganz geschlossen oder durften nur bei Vorlage eines negativen Tests überquert werden und die Lockdown-Erfahrungen anderer Reisender, die in anderen Ländern stecken geblieben waren, ließen uns ebenfalls vorsichtig werden. Doch wohin? Die Reise zu diesem Zeitpunkt bereits abzubrechen, kam für uns nicht in Frage.

Michelle und Ulf (@barrythebox), die wir in Griechenland kennengelernt hatten, waren inzwischen wieder in ihrer Wahlheimat Schweden angekommen und wir hatten mit den beiden locker vereinbart, dass wir sie irgendwann in Nordschweden besuchen würden. Warum nicht jetzt? Schweden war zu diesem Zeitpunkt mit seinem Sonderweg eines der Länder, das problemlos bereist werden konnte. Keine Einreisebeschränkungen, keine strengen Auflagen im Land. Also auf nach Schweden.

Sommer in Schweden

Mit der Fähre ab Rostock setzen wir Mitte Juni nach Trelleborg über und hangeln uns die nächsten Wochen den Inlandsvägen entlang nach Norden. Vorbei am Vättern und Vänern, den beiden größten Seen des Landes und weiter bis zum Siljan, wo wir auf der kleinen Insel im See endlich einen Stellplatz ohne Mücken finden. Die ersten Tage an der Südküste waren noch ok, aber je weiter wir fahren, desto lästiger werden die Viecher. Weil es hier so schön ist und es keine Mücken gibt, bleiben wir gleich fünf Tage, bevor wir weiterfahren bis zum Storsjön. Kurz vor Vilhelmina verlassen wir dann den Inlandsvägen und fahren in nordöstlicher Richtung quer durchs Land bis fast an die Ostseeküste. Segerlund heißt unser Ziel.

Norwegen oder Finnland?

Wir verbringen vier schöne und entspannte Tage bei Ulf und Michelle und wollen dann eigentlich weiter nach Norwegen. Doch kurz oberhalb des Polarkreises müssen wir einsehen, dass sich unser Plan nicht verwirklichen lässt. Die Grenzen nach Norwegen und auch nach Finnland sind zu. Wir fahren noch bis in den Stora Sjöfallets Nationalpark, auch in der Hoffnung, uns so weit oben ein wenig von den Mücken erholen zu können. Aber auch daraus wird nichts, im Gegenteil, es wird immer schlimmer. So fahren wir endgültig zurück an die Ostsee und die Küste entlang nach Süden. Wir finden mehrere wunderschöne Plätze an der Ostsee, vor allem an der Höga Kusten gefällt es uns sehr gut, und endlich sind wir auch die Mücken los.

An der Ostsee entlang zurück nach Süden

Stockholm und die Schären sparen wir uns für unseren nächsten Besuch auf und durchs Landesinnere fahren wir lieben Freunden entgegen, die ebenfalls für einen kurzen Urlaub nach Schweden kommen.

Mit Rini, Rico und Zora verbringen wir einen wunderschönen Abend in der Nähe von Jönköping an einem kleinen See und verlassen drei Tage später nach über zwei Monaten Schweden wieder auf dem Weg, auf dem wir gekommen waren: Fähre ab Trelleborg, nur diesmal nach Travemünde.

Bonjour, la France

Inzwischen ist es Ende August und so langsam müssen wir uns wieder auf den Weg nach Süden machen für den Winter. Doch zunächst wollen wir nach Frankreich, auch weil sich dort die Corona-Situation ein wenig entspannt zu haben scheint. Normandie, Bretagne, dann einen Abstecher nach Cholet und Pouzauges, alte Freunde besuchen und weiter nach Süden, in die Pyrenäen und über die Provence dann nach Italien – so haben wir uns das vorgestellt.

Die ersten Tage genießen wir das Leben in Frankreich, durchqueren die Champagne, besuchen Verdun und Compiègne und, schon in der Normandie, die Abtei von Jumièges, deren Ruinen uns schwer beeindrucken. Doch bereits hier werden wir mit einem Problem konfrontiert, das wir so noch nirgends hatten: Oskar ist zu groß, zu schwer, zu lang, zu hoch… was auch immer. Beschränkungen an fast allen Dorfeinfahrten, ganze Innenstädte für uns gesperrt, Höhenbeschränkungen auf Parkplätzen und an Supermärkten. So macht das keinen Spaß. Je näher wir dem Mont-St.-Michel kommen, desto klarer wird, woher die Beschränkungswut kommt. Wohnmobile überall. Und sie parken offensichtlich alles zu, das nicht explizit gesperrt ist.

Uns hilft das trotz allem nicht weiter und deshalb beschließen wir, die Bretagne mit ihren engen, kleinen Dörfern an der Küste auszulassen und gleich nach Cholet und Pouzauges zu fahren. Außerdem verheißen auch die aktuellen Corona-Zahlen nichts Gutes. Paris und die Region Marseille wurden bereits wieder zu roten Zonen erklärt und täglich kommen neue Départements hinzu.

Nach ein paar wunderschönen, nostalgischen Tagen in Cholet und Pouzauges, wo ich vor fast 30 Jahren für ein Schuljahr am Collège Antoine de Saint-Exupéry gearbeitet hatte, wollen wir auf die Ile de Ré, die über eine mautpflichtige Brücke erreichbar ist. Gerade an diesem Tag macht aber die Tour de France auf der Insel Station, also verbringen wir den Tag in der Nähe auf einem kleinen Parkplatz am Meer – zusammen mit zwölf anderen Wohnmobilen.

Als wir am nächsten Morgen an der Brücke zur Insel ankommen, müssen wir unsere Pläne wieder einmal ändern. Endloser Stau an der Mautstation und seit heute Maskenpflicht auf der ganzen Insel, auch im Freien. Darauf haben wir nun gar keine Lust. Gleichzeitig erfahren wir, dass inzwischen ganz Südfrankreich zur roten Zone erklärt wurde und die Einreise nach Italien von dort nicht mehr möglich ist. Um nach Italien zu gelangen, müssen wir also erneut zurück nach Deutschland und wenn wir dort ohne erneute Quarantäne einreisen wollen, müssen wir die roten Zonen in Frankreich meiden.

Die nächsten 14 Tage tuckeln wir also gemächlich einmal quer durch Frankreich, vom Atlantik bis ins Elsass, und reisen nach genau einem Monat wieder in Deutschland ein. Am Bodensee vorbei, über Augsburg nach Landshut und dann wieder mal Regensburg. Diesmal allerdings wirklich nur für wenige Tage, ein bisschen Shopping und einen großen Kundendienst für Oskar bei Rico. Schon am 2. Oktober fahren wir weiter nach Österreich, besuchen Andrea und Raimund von BIG20 am Hallstätter See und bereits am 9. Oktober sind wir in Italien, erster Stopp: Palmanova.

Bella Italia… aber nur mit Maske!

Doch auch hier holt uns Corona schneller ein als erhofft. Einen Tag vor unserer Einreise wird für ganz Italien die Maske auch im Freien zur Pflicht. Wir fahren zügig bis an den Lago Trasimeno, entdecken dort das wunderschöne Städtchen Pamicale und buchen – viel früher als geplant – für den 19.10. die Fähre von Brindisi nach Igoumenitsa, Griechenland. Zumindest dort scheint sich das Virus einigermaßen ruhig zu verhalten.

Kalimera, Griechenland!

Die erste Woche in Griechenland ist das auch so, wir sind froh, wieder hier zu sein. Wir fahren entspannt die Küste entlang, treffen jede Menge netter Leute und stehen an wunderschönen Plätzen direkt am Meer. Aber schon am 23.10. ist klar, dass auch Griechenland nicht verschont bleibt. Das Land wird in Regionen aufgeteilt, es gibt vier Kategorien von grün bis rot und in den roten Zonen gilt dann wieder Ausgangssperre, Maskenpflicht etc. Der Peloponnes strahlt mit Ausnahme der Region Patras noch in sattem Grün und wenn wir schon irgendwo stecken bleiben sollen, dann wenigstens dort.

Da Alma bei unserer Tierärztin in Kyparissia kastriert werden soll, fahren wir wieder nach Elea, wo wir schon letzten Winter längere Zeit standen, um uns dort für die nächsten Tage zu installieren. Tage, nicht Wochen! Doch am Tag der Kastration, dem 5.11., gibt die griechische Regierung endgültig bekannt, was alle schon befürchtet haben: landesweiter Lockdown ab 7. November.

Innerhalb von zwei Tagen werden aus 30 weit verstreuten Campern über 150 Fahrzeuge. Nachdem wir schon eine Woche hier sind, haben wir einen schönen, etwas abgeschiedenen Platz, aber auch um uns herum wird es voller und voller. Leider verläuft auch Almas Kastration nicht problemlos, ihr Bauch ist stark geschwollen und überall zeigen sich große, rote Blutergüsse. Die folgenden Wochen werden anstrengend.

Wie bereits beim ersten Lockdown im März/April gibt die griechische Regierung strikte Regeln vor: nächtliche Ausgangssperre, Maskenpflicht im Freien, keine Versammlungen über 5 Personen und das Haus darf nur mit triftigem Grund nach vorheriger Registrierung verlassen werden bzw. wir müssen ein Formular mit uns führen, in dem aufgeführt ist, warum wir unterwegs sind. Und natürlich Abstand halten. Dass diese Regeln auch in Elea am Strand gelten, scheint vielen Campern nicht einleuchten zu wollen und so verwundert es nicht, dass nach kurzer Zeit die Situation eskaliert und es zu Polizeikontrollen und Verwarnungen kommt.

Uns wird die ganze Situation nach knapp vier Wochen zu bunt und wir haben das Glück, über Diana, die uns letzten Winter schon mit den Welpen geholfen hat, ein kleines Ferienhaus in Zacharo anmieten zu können, wo wir den Lockdown aussitzen werden und uns überlegen, wie es anschließend weitergehen soll und kann.

Seit 1. Dezember sitzen wir nun in unserem Häuschen in Zacharo, keine 50 Meter vom Strand, und haben dafür seit über eineinhalb Jahren das erste Mal unseren Oskar für längere Zeit verlassen. Für den 18. Januar sind erste Lockerungen des Lockdowns angekündigt und wir hoffen, dann zumindest auf dem Peloponnes wieder reisen zu können. Oskar steht derweil vor dem Haus, inzwischen blitzblank geputzt, und wartet darauf, dass es weiter geht – genau wie wir.

18 Monate auf Reisen, 20 besuchte Länder – und wir haben noch so viel vor. 2021 würden wir gern endlich gen Osten starten, die Mongolei wartet bestimmt schon auf uns! Wie es allerdings weitergeht, das ist leider mehr als ungewiss. Wir blicken trotzdem optimistisch in das Jahr 2021.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare
  1. Schöner Bericht von Euch – vielen Dank. Ich wünsche Euch weiter viel Abenteuerlust, Gesundheit und Geduld. Corona wird uns so schnell noch nicht loslassen.

    Haltet durch!

    1. Hallo Gerhard, vielen Dank für die guten Wünsche. Dass uns Corona noch eine Weile beschäftigen wird, befürchten auch wir. Aber: wir geben nicht auf. Noch haben wir Lust auf mehr und sobald es wieder möglich sein wird, sind auch wir wieder unterwegs.

      Viele Grüße.

  2. Hallo ihr 3, erstmal ein gutes Neues und viel Gesundheit. Schöner Bericht von euch. Wir sind auch noch zu Hause und hoffen auf eine baldige Impfung gegen dieses wirklich blöde Virus. Mal schauen wann wir wieder loskommen und wohin es dann geht. Unsere Henriette ist gerade in der Werkstatt und wird optimiert. Unsere erste Reise war ja die Bewährung und dafür gedacht sie für unsere Bedürfnisse zu prüfen.
    Viel Spaß für euch und freundliche Grüße von uns vieren.

    1. Hallo, viele Grüße zurück und nachträglich auch noch ein gutes Neues. Schade, dass es in Schweden nicht geklappt hat mit einem Treffen, aber sobald eure Henriette fit ist und diese wirklich blöde Virus aus der Welt geimpft wurde, werden wir das nachholen, irgendwo auf diesem schönen Planeten.
      Bis dahin alles Gute, Gesundheit und viel Spaß.

    2. Hoi ihr Beiden, da sind wir ja fast Nachbarn.. wir sind am Neochori Beach. In 2Wochen haben meine zwei Mädel‘s auch den Termin bei der Tierärztin in Kyparissia.
      Liebi Grüessli Lisi und Fellnasen

      1. Hallo Lisi, haben wir uns schon gedacht, dass du ganz in der Nähe irgendwo stehst. Wir fahren nächste Woche auf jeden Fall weiter. Falls du noch dort bist, kommen wir gerne auf einen Schwatz vorbei. Viele Grüße

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