Ca. 5 Monate

Von Paralia Azapiko nach Ettersdorf

Unsere letzten Wochen in Griechenland

Am 23.03.2020, dem ersten Tag der Ausgangssperre in Griechenland, finden wir einen wunderschönen Strand etwas südlich von Neos Marmaras, auf dem mittleren Finger der Chalkidiki, den Paralia Azapiko. Vielen Dank an Annelie für den hervorragenden Tipp!

Wir installieren uns, nicht wissend in dem Moment, dass wir die nächsten 6 Wochen hier verbringen werden. Die Coronaregeln in Griechenland sind streng und deren Einhaltung wird auch strikt überwacht. Einmal die Woche gehen wir einkaufen. Hierfür müssen wir ein Formular mitführen, von uns ausgefüllt mit Anlass der Fahrt, Herkunftsort und Zielort, mit Datum und Uhrzeit. Beim ersten Einkauf werden wir noch misstrauisch beäugt, denn auf der Chalkidiki gibt es kaum bestätigte Fälle von Coronainfektionen. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde der Zugang zur Chalkidiki aus diesem Grund von Thessaloniki aus auch gesperrt. Aber da wir ja ein „wenig“ auffallen mit unserem Fahrzeug, sind wir bald bekannt und bekommen keine Probleme.

Für uns ist der Strand der perfekte Ort. Wir können problemlos mit den Hunden immer und jederzeit raus und spazieren gehen. Selbst dafür müssten wir jedes Mal das Formular ausfüllen und mitnehmen. Außer einer Schaf- und Ziegenherde ist hier jedoch nichts und niemand und die Viecher interessieren sich dann doch nicht für solche Formalitäten. Auf einem der Hügel ist eine Kapelle mit einer Quelle, Wasser ist also auch kein Problem.

Aber: die erste Zeit nur Regen, Regen und nochmal Regen, kalter Wind und Sturm. Ende März gibt es zwei sonnigere Tage und dann wieder Regen, Regen und Regen, kalter Wind und Sturm. Wir sind alle genervt und erschöpft. Es wird immer unerträglicher im LKW mit den zwei Hunden, die jeden Tag gefühlt ein Stück gewachsen sind. Außerdem werden die Streitereien zwischen den beiden Geschwistern immer heftiger. Wir müssen mindestens fünf Mal am Tag mit ihnen raus. Die Schmutztoleranz wird von Tag zu Tag größer. Ein „bisschen“ Dreck und alles nass, was soll’s. Aber jeden Tag gibt es eine Lektion in der Hundeschule im Oskar, das bringt ein wenig Ablenkung.

Dann endlich, am 09.04. kommt die Sonne zurück!!!!!! Und wir verraten schon jetzt, sie bleibt – fast immer – bis zur Abreise! So schrecklich die zwei Wochen Regen waren, so schön ist die Landschaft jetzt. Außerdem genießen Alma und Yannis das Planschen und Fetzen im Wasser ungemein. Die Spaziergänge waren trotz des Regens immer ein Erlebnis und wunderschön.

In der ersten Aprilwoche erfahren wir von Gerüchten, dass angeblich der Landweg zurück nach Deutschland wieder offen wäre. Wir haben für Yannis zwischenzeitlich einen Platz gefunden und die Familie wartet schon sehnsüchtig auf ihn. Wir wollen also so bald wie möglich nach Deutschland zurück. Allerdings entscheiden wir, nur loszufahren, wenn wir sicher durchkommen. Wir haben keine Lust, mit den zwei jungen Hunden irgendwo stecken zu bleiben und in Quarantäne zu müssen. Das war eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte. Bereits an der griechisch-rumänischen Grenze wurden die Rückreisewilligen zurückgewiesen, eine Ausreise war nicht möglich. Nun mussten sie an der Grenze ausharren.

Wir beschließen, bei diesem guten Wetter nun das Beste aus unserer Zeit hier zu machen. Wir installieren uns mit Sonnensegel und Windschutz. Alma bekommt ihren Platz links von unserem Freisitz, Yannis rechts, dann sind die zwei Streithähne auch getrennt. Vor dem Freisitz bauen wir uns eine große Feuerstelle und genießen jeden Abend ein Lagerfeuer. So vergeht die Zeit fast wie im Flug. Der handwerklich geschickte Jochen näht uns in der Zeit zwei schicke Coronamasken.

Unglaublich schön zu beobachten ist auch die sich ständig ändernde Landschaft. Nach dem vielen Regen war das Gebiet hinter unserem Stellplatz nahezu überschwemmt. Das Wasser ging täglich mehr und mehr zurück, was den Milliarden von Kaulquappen nicht ganz so gut gefallen hat. Nach und nach wandelte sich alles in eine blühende Landschaft. Wunderbar!

Ende April bietet sich die Möglichkeit der Heimreise. Die Botschaft organisiert eine Fährüberfahrt nach Italien und einen Transit durch Italien und Österreich unter anderem nach Deutschland. Wir müssen viele Papiere ausfüllen und mitführen, die allerdings an der Grenze dann niemanden interessieren. Die Fähre geht am 01.05.2020 von Igoumenitsa aus, um 12 Uhr in der Nacht. Es wurde aufgrund der großen Nachfrage auch gleich noch für den 02.05.2020 eine organisiert. Dementsprechend voll ist die Fähre dann auch.

Wir fahren am 01.05.2020 frühmorgens von Azapiko los. Der Abschied fällt uns schwer, wir haben unseren Strand wirklich liebgewonnen.

Heimreise

Wir haben eine Sondergenehmigung für die Fahrt bis Igoumenitsa. Die Autobahn ist leer, Kontrollen gibt es aber auch nicht.

Die Fährüberfahrt ist eine Katastrophe. Wir bekommen eine winzige Innenkabine, die kleiner ist als unsere Wohnkabine auf Oskar! Es ist stickig, die Klimaanlage laut, aber ohne würden wir ersticken. Die Hunde sind fertig und wir auch.

Am Abend kommen wir in Italien an, keine Kontrolle, keinen interessieren unsere Formulare. Wir müssen auf die Autobahn und dürfen diese auch nicht verlassen. Es ist gespenstisch ruhig auf der Autobahn. Wir übernachten auf einem Rastplatz, das ist kein Problem, weil nichts los ist, nur vereinzelt stehen LKWs. Am nächsten Tag geht es Richtung österreichischer Grenze. Durch Österreich müssen wir in einem Stück durchfahren, Anhalten ist verboten. Endlich will mal ein Grenzer ein Formular sehen. Hat sich doch gelohnt, dass wir vier ausgefüllt haben…. In Österreich der erste Kulturschock! Verkehr ohne Ende! Wie war das gleich wieder mit Corona und daheim bleiben?

An der Grenze zu Deutschland werden wir kontrolliert und auf unsere Quarantänepflicht hingewiesen. Aber das wissen wir ja, wir haben alles schon organisiert. In Deutschland zweiter Kulturschock! Noch mehr Autos, überall Fußgänger, Jogger, Hundespaziergänger, teilweise in Grüppchen. Wir sind etwas überfordert. 6 Wochen Einöde und Einsamkeit an einem abgelegenen Strand. Wie schön war das!

Zeit der Quarantäne in Ettersdorf

Aber: Unsere Quarantänezeit verbringen wir glücklicherweise auch ein wenig abseits in der Einöde, auf einem Gehöft in Ettersdorf. An dieser Stelle vielen lieben Dank an den Hans für das hübsche Plätzchen, das er uns zur Verfügung gestellt hat, sogar mit überdachter Terrasse.

Damit uns nicht langweilig wird, bekommen wir von Hans sinnvolle Beschäftigung. Holz spalten und Hecke schneiden sind sehr meditativ! Alma genießt den Auslauf und hat ihre erste Begegnung mit einem angriffslustigen Roboterrasenmäher! Und einen dicken Igel können wir auch noch aus einer Fuchsfalle retten. Für’s leibliche Wohl ist auch gesorgt: Je ein Kasten leckeres Helles und Weizen werden uns von einem edlen Spender frei Haus geliefert! Dazu noch Weißwürste, Brezn und den guten Händlmaiersenf! Was will man mehr. Sehr fein! Vielen Dank!

So vergehen die zwei Wochen Quarantäne rasend schnell. Wir haben den Aufenthalt in Ettersdorf sehr genossen.

So endet unser zweiter Versuch der Weltreise und gleichzeitig beginnt der dritte. Wir haben wunderbare und beeindruckende Erinnerungen an den ersten Teil der Reise durch Norwegen und Russland. Teil 2 führte uns über Kroatien und Albanien, einem wunderschönen und sehr gastfreundlichen Land, das uns schöne Erlebnisse bescherte nach Griechenland: Ja, das war außergewöhnlich, vier kleine Lebewesen haben alles ganz schön durcheinander gebracht. Naja, und dann Corona….. Jetzt hoffen wir, dass wir unsere Reise fortsetzen können – mal sehen wie es weiter geht.

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