Bye, bye Griechenland… – oder doch nicht?

Nach über drei Monaten in Griechenland wollen wir am 20.03.2020 ausreisen und unsere Tour fortsetzen. Früher war nicht möglich, weil die letzte Tollwutimpfung der Hunde mindestens vier Wochen her sein muss, bevor man das Land verlassen kann. Unsere Reisepläne haben sich auch schon wieder geändert und wir wollen/müssen erst nochmal zurück nach Deutschland, bevor wir endgültig nach Osten aufbrechen.

Während dieser Zeit werden die beunruhigenden Nachrichten über die Ausbreitung des Corona-Virus von Tag zu Tag mehr und sehr schnell wird klar, dass an eine Rückreise auf dem Landweg nicht mehr zu denken ist. Ein Land nach dem anderen schließt seine Grenzen und bereits am 23.03. verhängt Griechenland eine allgemeine Ausgangssperre. Jetzt geht gar nichts mehr.

Doch der Reihe nach.
Seit 01. Januar sind wir nur noch mit zwei Welpen an Bord unterwegs, was die Situation deutlich entspannt. Ein paar Tage bleiben wir noch in Elea am Strand, wo wir jetzt endlich Zeit finden, wichtige Arbeiten am Auto zu erledigen. Zusammen mit Raimund von BIG 20 tauschen wir die beiden hinteren Reifen gegen die noch neuen Ersatzreifen, damit alle einigermaßen gleichmäßig abgefahren werden.

Ab jetzt reisen wir zu viert

Nach einer weiteren Woche wird es uns dann aber endgültig zu voll und wir verlassen Elea Richtung Süden. Unsere erste Nacht ganz ohne Nachbarn verbringen wir am Divari Beach, einem wunderschönen Platz am Rande eines Naturschutzgebiets. Herrlich, diese Ruhe…

Allerdings ist unser Wäschesack schon wieder voll, daher fahren wir am nächsten Tag bereits weiter nach Finikounda, an die Südspitze des ersten Fingers des Peloponnes. Dort gibt es einen Campingplatz, der offen hat und über eine Waschmaschine verfügt.
Die Waschmaschine funktioniert, aber ansonsten ist der Platz nicht wirklich schön. Wir bleiben zwei Tage bis die Wäsche trocken ist und beschließen, uns einen anderen Platz zu suchen. Am anderen Ende des Ortes werden wir fündig: ein holpriger Weg führt durch einen Olivenhain hinaus auf eine kleine Landzunge mit traumhaftem Blick über die Bucht. Wir sind alle vier begeistert und fühlen uns sofort wohl. Am nächsten Tag fahren wir noch nach Kalamata in ein großes Zoogeschäft und zum Baumarkt, weil wir für die Hunde eine Rampe bauen wollen. Nach einer Übernachtung an einem Strand in der Nähe von Kalamata geht es zurück nach Finikounda, wo wir uns an dem wunderschönen Platz für die nächsten Tage einrichten. Wir verbringen ein paar sehr entspannte Tage, die Hunde genießen den Auslauf und abends sitzen wir am Feuer und erfreuen uns an der schönen Aussicht. Tagsüber üben wir mit den Hunden das Aus- und Einsteigen über die Rampe, was sie erstaunlich schnell lernen.

Leider wird das Wetter mit der Zeit immer schlechter, und nachdem wir eh schon leicht im Schatten der Bäume stehen, wird am vierten Tag endgültig der Strom knapp und wir beschließen, weiterzufahren. Für zwei Tage stehen wir am Strand von Rikia, gemeinsam mit einem französischen Paar, das mit Katze reist.

Zurück nach Elea

Nachdem in ein paar Tagen der nächste Besuch beim Tierarzt ansteht, entscheiden wir uns, doch noch einmal nach Elea zu fahren. Wir verbringen drei entspannte, ruhige Tage am Strand und fahren nach Kyparissia zum Tierarzt, wo die Hunde ihren Chip eingepflanzt bekommen und die erste Tollwutimpfung erhalten. Anschließend noch Vorräte aufstocken und noch einmal zurück zum Strand.

Nach einer weiteren Woche am Strand verabschieden wir uns dann endgültig von Elea und fahren die Küste hoch Richtung Killini, zum Campingplatz Ionion Beach in Glifa. Zum einen müssen wir wieder waschen, zum anderen wollen wir ein paar Hundesachen im Internet bestellen, die wir hier nirgends gefunden haben. Und außerdem brauchen wir wieder einmal Ersatzteile für unser Auto. Beim Reifenwechsel in Elea stellten wir fest, dass einer der Bremssättel hinten fest und ein Bremsbelag bereits ziemlich abgefahren ist. Unser Versuch, den Bremssattel mit Bordmitteln wieder gangbar zu machen, war nicht wirklich erfolgreich und daher brauchen wir nun eine zustellfähige Adresse, an die Stefan uns das Reparaturset schicken kann.

Wir installieren uns auf der schön gestalteten Anlage auf einem Platz in der ersten Reihe, direkt am Meer und hoffen, dass die Pakete aus Deutschland nicht allzu lange unterwegs sind. Doch unsere Hoffnung wird enttäuscht. Wir warten Tag um Tag, aber auf der Statusanzeige der Paketverfolgung tut sich einfach nichts. Wir überlegen immer wieder, was wir machen sollen, hierbleiben oder weiterfahren und entscheiden uns letztendlich fürs Bleiben, weil egal wohin wir fahren, wir müssen dann ja auch wieder zurück um unsere Pakete abzuholen.

Mit Oskar in der Werkstatt

Einen Einkaufs-Ausflug nach Amaliada nutzen wir gleich auch, um uns eine Werkstatt zu suchen, wo wir die Reparatur vornehmen lassen können, falls die Ersatzteile jemals ankommen. Ich erkläre der Mitarbeiterin, worum es geht und nach kurzer Zeit kommt der Chef und deutet mir nur, ich solle das Auto ein Stück näher an die Werkstatt ranfahren. Und bis ich überhaupt reagieren kann, liegt er schon mit dem Wagenheber unter dem Auto und bockt unseren Oskar auf. Reifen runter, Bremsbeläge ausgebaut und das Ganze begutachtet. Er telefoniert kurz und erklärt mir dann, dass die Reparatur kein Problem sei, dass es aber 1-2 Stunden dauern würde. Und dann fährt seine Frau mit unserem abgefahrenen Bremsklotz im Auto davon. Sein Englisch ist wenig besser als mein Griechisch und daher ist mir noch nicht ganz klar, was jetzt eigentlich der Plan ist. Auf jeden Fall gibt es erst mal einen Kaffee, um die Wartezeit zu überbrücken und dann unterhalten wir uns mit Händen und Füßen über Fußball, auch wenn das nicht wirklich mein Sport ist.
Nach gut eineinhalb Stunden kommt seine Frau, die sehr gut Englisch spricht, mit einem nagelneu aussehenden Bremsklotz zurück und erklärt jetzt auch, wo sie war: nachdem Steyr-Ersatzteile in Griechenland nicht so einfach aufzutreiben sind, haben sie in einer anderen Werkstatt den alten Bremsklotz mit einem neuen Bremsbelag versehen lassen. Wir sind begeistert.
Den Rest erledigt Dimos jetzt selbst. Kolben gangbar machen, alles wieder zusammenbauen und testen ob’s funktioniert. Tut es.
Für die ganze Aktion verlangt er dann einen Preis, den man bei uns schon zahlen würde, wenn der Mechaniker nur die Motorhaube aufmacht, und entschuldigt sich fast noch dafür, aber er müsse ja auch die andere Werkstatt zahlen, wo sie den Bremsklotz gebaut haben. Vielen Dank nochmal, Dimos!

Wir warten...

Nach insgesamt 11 Tagen vergeblichen Wartens beschließen wir, doch ein Stück zu fahren und uns einen anderen Platz zu suchen. Irgendwann wird auch der schönste Campingplatz langweilig. Kurz vor unserem Aufbruch kommt zumindest das Paket mit dem Hundezeug noch an, aber von unseren Ersatzteilen weiterhin keine Spur. Also weiter warten, auch wenn wir sie im Moment gar nicht mehr unbedingt brauchen.

Die nächsten Tage kreisen wir um Glifa, immer in der Hoffnung, dass unser Paket endlich ankommt. Wir finden einen wunderschönen Platz bei Manolada in den Dünen, wo jeden Morgen ein glückloser Fischer vorbeikommt, mit dem wir uns ein bisschen unterhalten. Nach drei Tagen am Stand drehen wir eine Runde durchs Landesinnere, vorbei an einem Stausee, an dem wir eigentlich übernachten wollen, aber keinen schönen Platz finden. Also wieder zurück an die Küste, an den Bouka Beach. Der Platz ist wunderschön, nur leider wie so oft eine einzige Müllhalde. Wir bleiben trotzdem zwei Tage, weil wir uns und den Hunden eine Pause gönnen wollen. Und außerdem warten wir ja eh noch auf das Paket mit den Ersatzteilen…

Endlich wieder unterwegs

Nach zwei weiteren Tagen bekommen wir endlich die Nachricht, dass das Paket angekommen ist. Hurra. Wir fahren nochmal zurück zum Campingplatz, das Paket einladen und dann glücklich weiter Richtung Olympia. Ein Stück hinter Olympia finden wir einen wunderschönen, ruhigen Platz am Fluss Alfios. Wir bleiben vier Tage, gehen viel mit den Hunden spazieren, genießen die Ruhe und sitzen abends am Lagerfeuer. Am letzten Tag besuchen wir noch Olympia, allerdings nicht die antiken Stätten, weil da keine Hunde rein dürfen. So begnügen wir uns mit einem Kaffee in einer Bar und üben mit den Hunden ein bisschen Stadtspaziergang. Das kennen sie fast noch gar nicht.

Am nächsten Morgen brechen wir auf Richtung Andritsena, einem beschaulichen Städtchen mitten in den Bergen, für das unser Oskar dann aber doch zu dick ist. Also weiter nach Vassae, den antiken Apollon-Tempel besichtigen. Doch auch daraus wird leider nichts: letzter Einlass 14:45. Wir stehen um 14:44 vor dem Tor. Und die Hunde hätten auch hier nicht rein gedurft. Wieder nichts mit Kultur. So fahren wir noch das Stück bis Figalia, von wo aus wir am nächsten Tag die Neda Wasserfälle erkunden wollen.
Die Straße zu den Wasserfällen ist eng, steil und kurvig und am Ende kommen wir auch hier nicht ans Ziel, weil der Pfad zu den Wasserfällen mit den vier Monate alten Hunden nicht zu machen ist. So bleibt uns nur der Rückzug und über eine kleine Bergstraße geht es zurück an die Küste, nach Kalo Nero, wo wir zum ersten Mal mit den Hunden ins Restaurant gehen. Und das klappt erstaunlich gut, obwohl zahlreiche streunende Katzen um unseren Tisch schleichen, in der Hoffnung auf ein Stück vom Fisch.

Die Zeit vergeht

Schon wieder ist ein Monat um und für die Hunde steht die letzte Tollwut-Impfung an. Den Tierarztbesuch verbinden wir mit einem Treffen mit Diana auf einen Kaffee. Und dann fahren wir in Ermangelung besserer Alternativen doch nochmal nach Elea, um uns ein paar Tage Pause zu gönnen und unseren vermeintlich letzten Monat in Griechenland zu planen.

Inzwischen sind wir immer öfter am überlegen, in welcher Konstellation wir die Reise fortsetzen wollen. Beide Hunde zu behalten wird im LKW nicht möglich sein, da sie doch größer werden als zunächst angenommen und auch die Streitereien zwischen den beiden Geschwistern mit jedem Tag heftiger werden. Das ist tatsächlich ein Punkt, den wir vollkommen unterschätzt haben. Nur wen behalten wir? Und wo bringen wir den oder die andere(n) unter? Da wir aber vor dem 20. März sowieso nicht aus Griechenland ausreisen können, vertagen wir diese Entscheidung bis auf weiteres.

Nach zwei weiteren Tagen in Elea ist es dann endgültig genug. Zu voll, zu laut. Wir fahren Richtung Süden, an den kreisrunden Strand von Voidokilia. Hier ist es traumhaft schön und vor allem: ruhig. Bis zum nächsten Tag sind wir tatsächlich ganz allein und haben nur nachts Besuch von den Goldschakalen, die heulend am Auto vorbei in die Dünen rennen.

Weiter Richtung Süden

In den nächsten Tagen tingeln wir von Stellplatz zu Stellplatz, über Kalamata Richtung Mani, den mittleren Finger des Peloponnes. Auf dem Weg dorthin machen wir noch einen Abstecher zu den Polilimnios Wasserfällen, wo es uns so gut gefällt, dass wir gleich zwei Tage bleiben und viel spazieren gehen.

Auf der Mani - der Mittelfinger des Peloponnes

Unser erstes Ziel auf der Mani ist der „Dinosauriereier-Strand“ in Diros, von dem wir schon so viel gehört haben. Der Strand liegt tatsächlich in einer wunderschönen Bucht, ist aber ein bisschen schwierig zu begehen, weil die Steine tatsächlich groß und glatt wie Straußeneier sind – oder eben Dinosauriereier.
Am nächsten Tag ist Feiertag in Griechenland, orthodoxer Rosenmontag, und entsprechend viel los ist am Strand. Die Kinder lassen Drachen steigen, die Familien grillen und ein paar Jugendliche brettern den ganzen Tag mit ihrem Quad den Weg am Strand auf und ab. Entsprechend aufgedreht sind die Hunde und so ist der Tag auch für uns richtig anstrengend.

Ein altes Wrack und die Suche nach einem Platz für Yannis

Inzwischen kristallisiert sich immer stärker heraus, dass die Entscheidung, welchen der beiden Hunde wir abgeben werden, wohl auf Yannis fallen wird. Ihn strengen sowohl die Fahrerei als auch das Ein- und Aussteigen und die ständigen Ortswechsel deutlich mehr an als Alma. Außerdem wird jetzt schon deutlich, dass er nochmal ein gutes Stück größer und schwerer werden wird als seine Schwester.

So beschließen wir, nicht noch weiter auf der Mani nach Süden zu fahren, sondern schön langsam in Richtung Deutschland abzudrehen und beginnen gleichzeitig mit der Suche nach einem schönen ruhigen Platz für Yannis. Dass wir ihn in Deutschland unterbringen wollen und ihn auch selbst dort abliefern werden, steht für uns außer Frage.

Unser nächster Stopp ist der Valtaki Beach hinter Githio, wo das Wrack der „Dimitrios“ vor sich hin rostet. Wir verbringen drei entspannte Tage am Strand inklusive einem kleinen Ausflug nach Githio zum Kaffee trinken.

Vielleicht schaffen wir es ja noch...

Durchs Landesinnere geht es weiter über Kosmas nach Leonidio, wo wir nochmal auf den Campingplatz gehen um Wäsche zu waschen. Der Platz ist schön angelegt und ruhig und so bleiben wir auch hier zwei Tage, bevor es weitergeht über Nafplio und Mykene nach Korinth, wo wir am 11.03. zum Tierarzt wollen, um den Tollwut-Titertest machen zu lassen, den wir angeblich für die Heimreise benötigen.

Inzwischen haben wir einen guten Platz für Yannis gefunden und so fahren wir weiter Richtung Norden, um dann am 20.03. – hoffentlich – ausreisen zu können. Seit ein paar Tagen sieht man jedoch immer öfter Menschen mit Mundschutz in den Straßen, seit 11.03. gelten Kontaktbeschränkungen, Schulen bleiben geschlossen und größere Veranstaltungen sind nicht mehr erlaubt. Nach und nach kommt das öffentliche Leben zum Erliegen und nach zwei weiteren Tagen ist für uns klar, dass wir aus Griechenland erst mal nicht mehr heraus kommen, da die meisten Länder auf dem Balkan bereits wegen der Ausbreitung des Coronavirus die Grenzen geschlossen haben.
Zu allem Überfluss wird auch noch das Wetter schlecht, es bläst ein kalter Wind und es regnet, und die Hunde streiten von Tag zu Tag heftiger. Wir brauchen dringend eine Lösung, da inzwischen für Griechenland eine komplette Ausgangssperre angekündigt ist. Wir fahren auf die Halbinsel Chalkidiki, wo Andrea und Raimund mit ihrem Big20 in Develiki stehen, in der Hoffnung, dort einen Platz für die nächsten Wochen zu finden. Doch die wenigen Einwohner des kleinen Dörfchens beäugen uns misstrauisch und wirklich Platz ist auch nirgends. Wieder viel Fahrerei umsonst und die Ausgangssperre rückt näher.

Gestrandet auf der Chalkidiki

Wir fahren zurück auf den mittleren Finger der Chalkidiki und am nächsten Tag nach Süden, nach Neos Marmaras, wo wir uns nochmal mit Vorräten eindecken.  Ein Stück unterhalb von Neos Marmaras finden wir dann endlich einen Strand, an dem wir uns vorstellen können, uns bis auf weiteres einzurichten. Vielen Dank, Annelie! Es ist der 23.03 und seit heute gilt in ganz Griechenland die komplette Ausgangssperre. Und keiner weiß, wie lange…

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Hach, Griechenland, wie wunderschön :-))) Das eine oder andere kam uns auch bekannt vor, von unserem letzten Peloponnes Urlaub 2010, lange ist es her …
    Liebe Grüße – wo seid Ihr denn inzwischen?
    Lisa & Stefan

    1. Hallo ihr zwei! Ach, da wart ihr auch schon? Wunderschön der Peloponnes. Wir sind inzwischen in Schweden und wollen, sobald es geht, über Finnland nach Norwegen. Von Kirkenes aus wollen wir nochmal durch Norwegen fahren, Norwegen war traumhaft schön. Mal schauen, ob es klappt. Liebe Grüße von uns dreien

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