Yannis
Vier Schweinderl

Oskar und die kleinen Schweinderl

Für unser neuestes Abenteuer, das unser Leben ganz schön durcheinanderwirbeln wird, machen wir einen weiten Sprung von Russland nach Griechenland.

In Griechenland wollen wir überwintern, endlich Sonne und das süße Nichtstun genießen. Am 15.12.2019 kommen wir an, finden gleich einen wunderschönen Platz am Meer, die Sonne scheint und in der Taverne in dem kleinen Ort Sayada gönnen wir uns leckeren Fisch mit einem guten griechischen Weißwein.

Weiter geht es an der Küste entlang Richtung Süden. Durch die Kontakte zu Andrea und Raimund von Big20 und Michelle und Ulf von @barrythebox erfahren wir von Elea. Beide erzählen uns, dass sie dorthin fahren bzw. schon dort sind. An dem weitläufigen Strandabschnitt ist frei campen offensichtlich kein Problem.

Da wir alle vier bisher nur über Instagram kennen, freuen wir uns auf ein persönliches Kennenlernen und die Chemie stimmt mit allen von Anfang an! Wir freuen uns sehr.

Allerdings sind wir überrascht, dass an dem Strandabschnitt so viel los ist. Nach einem halben Jahr reisen und viel Zweisamkeit freuen wir  uns über die vielen neuen Bekanntschaften und interessanten Gespräche. Aber nach vier Tagen zieht es uns schon wieder weiter. Wir wollen Richtung Olympia und weiter ein wenig den Peloponnes erkunden. Jochen war vor ca. 30 Jahren – oh ja, so alt sind wir schon! – schon mal hier. Er erinnert sich an das Dorf Kakovatos, das gleich um die Ecke ist, und an rauschende Abende in einer Taverne. Die Taverne müssen wir dringend suchen! Also runter ins Dorf, ein kurzer Stopp am Meer. Naja, so ein bisschen hat sich doch alles verändert oder der damals konsumierte Ouzo verklärt ein wenig die Erinnerung.

Wir fahren zurück Richtung Hauptstraße, ach, meint Jochen, nehmen wir doch die kleine Parallelstraße zum Strand. Gesagt, getan. Wir fahren um die Kurve, waren schon fast aus dem Dorf draußen, da sehen wir eine Pappschachtel am Straßenrand und ein kleiner Welpe sitzt daneben. Wir halten an und schauen in die Kiste. Drei weitere verängstige Augenpaare sehen uns an. Das darf doch nicht wahr sein. Die vier Welpen wurden einfach ausgesetzt. Zwischenzeitlich wissen wir, dass das hier leider üblich ist. Anstatt die Hündinnen zu kastrieren, werden die Welpen ausgesetzt, sobald sie nicht mehr gesäugt werden.

Wir sind wütend und entsetzt. Was machen wir? Wir können sie nicht einfach liegen lassen, sie würden die Nacht nicht überleben. Die Wetterprognose ist schlecht und es folgen dann auch zwei Tage und Nächte mit Sturm und Regen. Also: die vier Welpen in eine unserer großen Klappboxen gepackt und erst mal zum Supermarkt, Futter kaufen. Olympia kann warten, das steht da sicher noch länger rum.

Wir fahren zurück nach Elea. Als erstes halten wir bei Michelle und Ulf, die am Anfang des Strandes stehen. Die Welpen müssen raus und wir brauchen Ansprache. Dann fahren wir weiter nach hinten, auf den Platz etwas abseits, an dem wir vorher gestanden sind. Da unser LKW schwer zu übersehen ist und wir uns ja erst vor knapp 3 Stunden von allen verabschiedet haben, bekommen wir bald Besuch. Es spricht sich schnell herum, dass wir gerade vier Welpen an Bord haben.

Die erste Nacht wird eine Herausforderung. Die vier Welpen sind ziemlich aufgedreht, aber ansonsten fit, gesund und sehr hungrig. Was sie allerdings nicht sind, ist: stubenrein. Da wir keine speziellen Unterlagen zur Verfügung haben, legen wir den Boden für die Nacht mit Decken und Handtüchern aus. Kann man ja alles waschen. Im Lauf der Nacht wird der Bedarf an Handtüchern immer größer, was vorne rein geht, kommt eben hinten wieder raus – und das mal 4. Trotzdem bereuen wir die Entscheidung und das Chaos im LKW keine Sekunde, zumal die Kleinen den Sturm in dieser Nacht wohl kaum überlebt hätten.

Am kommenden Tag, also den 23.12.2019 organisiert Bernd, der schon seit Jahren in Elea überwintert und Kontakt zu Diana von der Tierschutzorganisation vor Ort hat, einen Termin bei der Tierärztin in Kyparissia. Alle sind gesund und munter und ca. 7-8 Wochen alt. Zwei Mädchen und zwei Buben. Sie bekommen eine erste Impfung und eine Dusche gegen die Flöhe und werden entwurmt. Ein paar Einkäufe noch für die nächsten Tage und es geht zurück nach Elea. Nachdem wir auf unserem bisherigen Platz doch etwas einsam standen, fahren wir jetzt auf den großen Strandabschnitt, wo die anderen bereits ihr Camp eingerichtet haben.

Die zweite Nacht mit den vier Findelkindern im Oskar verläuft bereits deutlich entspannter, was vor allem an den Windelmatten liegt, die wir uns besorgt haben. Die können am Morgen einfach entsorgt werden und am nächsten Abend werden Neue ausgelegt.

Trotzdem bleiben die Nächte anstrengend, weil wir natürlich versuchen, sofort zu reagieren, wenn sich einer quietschend bemerkbar macht. Raus aus dem Bett, rein in die Klamotten und alle vier nach draußen gesetzt, in der Hoffnung, dass sie es halten konnten. Klappt natürlich noch nicht immer… Aber schon in der dritten Nacht finden wir keine Häufchen mehr und die Pfützen werden auch weniger.

Die Belohnung für die Strapazen der Nacht sind die entspannten und vergnüglichen Tage mit den vier Rackern. Nach dem Fressen wird erst mal in der Morgensonne gekuschelt – vier Welpen gleichzeitig im Arm zu halten ist wirklich ein Erlebnis – bevor dann die Action rund um den LKW losgeht. Sie sind den ganzen Tag am Rennen, Spielen und Rangeln, um dann wieder völlig erschöpft für ein paar Stunden zu schlafen. Aus alten Paletten vom Strand bauen wir ihnen ein offenes Gehege mit einer alten Plane darüber und einer alten Decke darin, das sie auch sofort als ihren Platz akzeptieren. So sind sie ein bisschen geschützt gegen den kalten Wind, der hier trotz Sonnenschein Ende Dezember weht.

Eine unendlich große Hilfe mit den vier Rackern ist Andrea von Big20, Tante Andrea, wie sie von den Welpen liebevoll genannt wird! Wann immer sie Zeit hat, kommt sie rüber zum Kuscheln und Spielen und die vier freuen sich jedes Mal riesig. Vielen Dank dafür, liebe Tante Andrea!

Im ersten Moment, als wir sie gefunden haben, ging es uns ja nur darum, die vier Welpen zu retten und uns um einen sicheren Platz für sie zu kümmern. Aber spätestens nach ein paar Tagen wird uns klar, dass es dabei nicht bleiben wird und wir mindestens einen behalten werden. Alle vier sind uns einfach zu schnell ans Herz gewachsen. Und nachdem jeweils die weißen Geschwister und die schwarzen Geschwister gemeinsam unterwegs sind, beschließen wir, gleich zwei zu behalten.

Unsere Wahl fällt auf die beiden schwarzen, da sie von Anfang an die Anhänglicheren waren. So haben wir nun also zwei neue Mitreisende, Alma und Yannis. Mit Diana vereinbaren wir, dass sie die anderen beiden, Kira und Teo, der nunmehr Lucky heißt, an Silvester abholt. Bis dahin genießen wir noch das fröhliche Gewusel rund um unseren Oskar. Als es dann soweit ist, fällt der Abschied natürlich schwer, aber es ist auch eine große Erleichterung, sich jetzt nur noch um zwei statt um vier kümmern zu müssen. Zumal sie in den neun Tagen bereits deutlich zugelegt haben.

Zwischenzeitlich sind die beiden richtige Wonneproppen, ca. 3 Monate alt, und sie wachsen und wachsen. Yannis wiegt bereits 6,2 Kilo, Alma 5,6 Kilo! Sie halten uns natürlich ganz gewaltig auf Trab, sind zwar sauber, aber zwei kleine Spaziergänge in der Nacht brauchen sie immer noch. Außerdem: Wie war das mit dem „Hier“, „Sitz“, “Platz“ und „Bleib“???? Wir erinnern uns noch dunkel an die Erziehung von Tibo. Aber das war nur ein Welpe und außerdem ein Labrador. Zwei Racker und dann auch noch – zumindest zu einem großen Teil – Herdenschutzhunde, das ist eine ganz andere Herausforderung. Wir haben allerdings keine Bedenken mehr, dass sich irgendjemand oder irgendetwas unbemerkt unserem Oskar nähert, der ist zwischenzeitlich gut bewacht!

Die Berichte über das Baltikum, Kroatien und Albanien reichen wir nach, wenn wir irgendwann mal wieder Zeit haben.

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare
  1. Hallo ihr Lieben,

    die vier Wuffis hatten ein riesen Glück, von euch gefunden zu werden! So lange sie euch nicht den Ouzo wegschlabbern 😉 Was ist das denn für eine Rasse? Sind das so Hütehunde? Norbert war grad der festen Überzeugung, dass das Labradore sind *uijuijui* (mit Katzen kennt er sich besser aus…).
    Wir wünschen euch vier noch einen schönen „Winter“ in Griechenland und tolle Abenteuer mit eurem Zuwachs!

    Liebste Grüße aus Regensburg!
    U&N

    1. Hallo Ihr zwei! Nein, einen Labrador haben sie wohl nicht drin, naja, auch wenn Yannis manchmal an einen erinnert. Ansonsten wissen wir es nicht genau, Hütehund, eventuell Australian Shepherd und was sonst auch immer. Wir sind gespannt, wie sie aussehen, wenn sie groß sind. Liebe Grüße nach Regensburg und falls Ihr noch einen Kurzurlaub plant, wir sind noch länger da!

  2. Hallo ihr vier,
    So soll es sein auf Reisen: unvorhergesehene Ereignisse führen zu neuen Abenteuern und Herausforderungen. Die Zwei sind so süss. Aber was sich durch das Leben mit zwei Hundebadys tatsächlich alles ändert, kann man wohl nur ein wenig erahnen….
    Ihr wirkt aber zusammen sehr glücklich… Gut, dass ihr euch gefunden habt.
    Eine gute Zeit und ich bin gespannt auf weitere spannende Entwicklungsberichte
    Viele liebe Grüße
    Anita

    1. Liebe Anita! Ohja, große Veränderungen haben wir. Heute Nacht durften wir das erste Mal durchschlafen :-). Ganz liebe Grüße an Euch drei von uns vieren!

  3. Hallo liebe Anja und lieber Jochen, Euer Blog ist einfach nur wunderbar. Ein so gut geschriebenes Erlebnis hab ich schon lange nicht mehr gelesen. Ihr habt den höchsten Respekt von mir, weil ihr nicht weggeschaut habt als so kleine hilflose Wesen in Not waren. Das ist leider die Schattenseiten von dem herrlichen Griechenland. Den Katzen geht es teilweise noch schlechter. Habt weiterhin eine tolle Zeit mit Euren süßen Nachwuchs. Herzliche Grüße, Sabine (Schwester von Uli Peiker)

    1. Hallo Bernd, ohja, das ist ein kleines Abenteuer! Wir sehen uns aber bestimmt nochmal hier in Griechenland, wir werden um den 20.02 wahrscheinlich wieder in Elea sein wegen der Impfungen. Dann schauen wir mal, ob sie schon größer als Benny sind :-). Liebe Grüße

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