Russland – Teil 3 – Von Sankt Petersburg nach Pskov

Bei unserer Reise durch Russland darf natürlich ein Besuch von Sankt Petersburg nicht fehlen! Sankt Petersburg begrüßt uns erst mal mit einem immensen Verkehr und Ikea lässt grüßen. Wir finden ganz langsam unseren Weg durch das Verkehrschaos zu dem Campingplatz, den wir uns herausgesucht haben, versteckt am Stadtrand liegend, mitten in einem Wohngebiet. Die Straßen werden immer enger und holpriger, aber wir kommen überall durch. Die Betreiber sind sehr nett und freundlich. Für den nächsten Tag wollen sie uns ein Taxi zur Metro bestellen, bringen uns dann in der Früh gleich persönlich hin. Rasante Fahrt mit der Dame des Hauses durch den Berufsverkehr. Verkehrsschilder dienen offensichtlich dem Zweck, ignoriert zu werden. Und gleich noch ein passender Spruch: Wer bremst, verliert! Interessanter Beginn unseres Besuches.

Sankt Petersburg

Weiter geht’s mit der U-Bahn in die Innenstadt. Wir steigen am Nevsky Prospekt aus und versuchen uns zu orientieren. Was für eine große und imposante Stadt! Nur haben wir gerade keinen Plan, wo wir sind – naja, in der Innenstadt, immerhin das wissen wir. Wir suchen die nächste Touristeninfo auf und stellen mal wieder auf Russisch unsere Standardfrage, die bisher immer mit einem entschiedenen „Nein“ beantwortet wurde: „Guten Tag, sprechen Sie englisch?“ Da merken wir, wir sind hier zwar in Russland, aber nicht mehr in dem Russland, das wir bisher bereist und kennen gelernt haben. Die Antwort der freundlichen jungen Frau lautet nämlich: „Of course, and also German“. Wir erhalten kostenfrei ein kleines Heftchen „Sankt Petersburg in 5 Tagen“ und dazu einen Stadtplan. Für kürzere Aufenthalte gibt es auch „Sankt Petersburg in 3 Tagen“. Es werden verschiedene Routen mit Beschreibung der Bauwerke und Sehenswürdigkeiten angeboten. Wir entscheiden uns für Route 3. Das bedeutet laufen, laufen und nochmal laufen. Wir beschreiben die Route nicht im Einzelnen, das wäre zu umfangreich. Auch das Bildmaterial, das wir haben, ist immens. Daher lediglich ein paar Impressionen. Sankt Petersburg ist in jedem Fall eine Reise wert. Für einen Kurzurlaub ist der Besuch zwischenzeitlich sogar visumsfrei möglich.

Am Tag danach regnet es den ganzen Tag in Strömen und wir machen eine Pause, unsere alten Füße tun uns weh.  Dann geht es weiter mit Route 2, wir laufen und laufen und laufen.

Am dritten Tag entscheiden wir uns für einen Stellplatzwechsel. Der Campingplatz ist einfach zu weit außerhalb, ohne Taxi geht’s gar nicht, da die nächste U-Bahnstation zu weit ist und das ist auf Dauer umständlich. Wir haben einen Stellplatz in der Innenstadt entdeckt, also auf geht’s durch das Verkehrschaos! 10 km – 2 Unfälle! Aber wir sind heil angekommen und der Stellplatzwechsel war eine gute Idee, jetzt sind wir fast mitten im Geschehen.

Bei Route 1 machen wir dann nach der Hälfte schlapp und verschieben die andere Hälfte auf morgen. Das war eine sehr gute Idee. Am frühen Nachmittag haben wir nämlich alles abgelaufen und gönnen uns ein ganz leckeres ausgiebiges Mittagsessen in dem georgischen Lokal Suliko, sehr zu empfehlen! Falls man den Geldbeutel schonen möchte, Sankt Petersburg ist nicht billig, dem empfehlen wir die sogenannten Stolovayas. Die gibt es zahlreich, sind vergleichbar mit Kantinen und man kann lecker und günstig essen.

Wir nehmen Abschied von Sankt Petersburg und wollen an der Küste entlang Richtung Baltikum. Unsere Idee ist, an der Küste abgeschieden noch ein paar Tage auf russischer Seite zu verweilen. Eine kurze Pause am Strand bestätigt unsere Idee, da werden wir schon irgendwo ein Plätzchen finden. Dann fahren wir auf eine Straßensperre zu. Bewaffnetes Militär. Was ist denn da los? Der Soldat beäugt misstrauisch unser Gefährt und winkt uns gleich raus. Und endlich sind wir wieder in Russland: „Guten Tag, sprechen Sie englisch?“ – „Njet!“. Unsere Papiere werden überprüft. Telefonate werden geführt. Wir verstehen dann, dass es sich um Sperrgebiet handelt, da wohl Grenzgebiet und man nur mit einer entsprechenden Genehmigung reinfahren darf. Die zuvorkommenden Grenzer halten für uns den ganzen Verkehr auf, damit wir wenden können und winken uns alle freundlich zum Abschied zu. Dann fahren wir halt wieder Richtung Sankt Petersburg. Wir sind ein bisschen planlos und suchen einen Stellplatz für die Nacht, den wir auf dem Parkplatz vor der Parkanlage Oranienbaum in Lomonosov finden. Am Nachmittag scheint die Sonne und wir machen einen schönen Spaziergang durch den Park.

Markt in Luga

Ein paar Tage Zeit haben wir noch in Russland, daher fahren wir ein Stück weiter Richtung Weliki Nowgorod. Auf dem Weg dorthin halten wir in dem kleinen Städtchen Luga. Der kleine Markt hat einiges zu bieten….

Weliki Nowgorod

Wir besuchen Weliki Nowgorod, eine der ältesten Städte Russlands oberhalb des Ilmensees, durch das die Wolchow fließt. Seit 1992 ist Weliki Nowgorods architektonisches Erbe Weltkulturerbe. Wir genießen zwei schöne Tage, auch wenn das Wetter leider nicht so mitspielt. Außerdem wissen wir jetzt endlich, wofür Schubkarren an und für sich dienen. Und wir werden an unsere Kindheitstage erinnert, ein kleiner Vergnügungspark mit Kettenkarussell und abenteuerlicher Achterbahn!

Pskov

Der nächste Tag bringt mal wieder viel Regen. An und für sich wollten wir noch am See entlang und ein oder zwei Tage in der Natur verbringen. Aber das macht bei Regen und Matsch nicht viel Spaß. Dann schauen wir uns halt nochmal eine Stadt an. Wir fahren nach Pskov, gelegen nahe der estnischen Grenze und ebenfalls eine der ältesten Städte Russlands. Beeindruckend ist die Dreifaltigkeitskathedrale mit Kreml – vor allem im Nebel! Viele Kirchen prägen das Stadtbild, Pskov wurde im 16. Jahrhundert Bischofssitz und war bis ins 19. Jahrhundert das religiöse Zentrum für die gesamte Region. Sehenswert sind auch die gigantischen Reliefs aus der Sowjetzeit. Wir beenden den Tag und unsere Reise durch Russland mit einem sehr guten Essen im Restaurant Rusakov.

Am nächsten Tag geht es Richtung Grenze und wir entscheiden uns für den kleineren Grenzübergang bei Petschory. Wir erinnern uns an die Einreise und sind auf die Kontrolle bei der Ausreise gespannt. Erste Kontrolle, die Dame erkennt, wir sind kein LKW, sondern – grenztechnisch – ein PKW. Zweite Kontrolle. Diese überaus „zuvorkommende und freundliche“ Dame in ihrem Kabuff weigert sich strikt, meinen holprigen Ausführungen auf Russisch, dass wir kein LKW sind, Glauben zu schenken. Na gut, dann warten wir halt auf der LKW-Spur. Der junge Grenzer kann dann erst mal gar nichts mit uns anfangen. LKWs werden anders kontrolliert als PKWs und haben wohl auch andere Papiere. Mit Yandex Übersetzer, sehr zu empfehlen übrigens, um Längen besser als der Google Übersetzer, verständigen wir uns und kommen – welche Überraschung – zu dem Ergebnis, dass wir auf die PKW Spur müssen. So machen wir das dann. Und wieder alle Türen, Klappen und Schränke auf und teilweise ausräumen. Dann haben wir es geschafft. EU, wir kommen zurück. Die Esten werden uns jetzt schon durchwinken. Weit gefehlt. Und wieder alle Türen, Klappen und Schränke auf und teilweise ausräumen. Dann haben wir auch das geschafft und sind wieder im Westen.

Wehmütig blicken wir zurück. Russland war spannend, nervig, aufregend und unglaublich schön! Wir wären gerne weitergefahren, durch Russland gen Osten. Da wir nun für einige Reparaturarbeiten nach Deutschland müssen, haben sich unsere Reisepläne ein wenig geändert. Den Winter wollen wir im Süden, Griechenland verbringen und dann im Frühjahr über Rumänien und Bulgarien in die Ukraine fahren. Nach der Ukraine geht es wieder nach – Russland! Wir freuen uns und hoffen, dass alles so klappt.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Hallo ihr zwei Lieben,

    immer wieder schön, eure Erlebnisse zu lesen 🙂 Haben grad Russland Teil 1 bis 3 gelesen und haben das Gefühl ein Stückchen mit euch gereist zu sein! So unglaublich tolle Bilder!
    Weiterhin gute Fahrt mit eurem Oskar und bis bald mal wieder per WA.

    VLG aus Regensburg
    Uschi&Norbert

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